Gedanken zu… Gute Vorsätze

Silvesternacht – Nacht der Partys, der Raketen, der Vorsätze und der Neuanfänge. Wir verabschieden das Alte und beginnen das Neue. Traditionen wie Bleigießen (oder jetzt Wachsgießen), Raclette und Sektkorkenknallen machen die Runde und auch die alljährlichen guten Vorsätze werden fleißig gefasst. Vorsätze gefasst aufgrund des Gruppenzwangs oder wirklich aufgrund der vergangenen Tage, in denen wir die Zeit genutzt haben um zu reflektieren und nachzudenken?

Die Tage nach Weihnachten, nach dem Trubel, in denen wir zur Ruhe kommen, entschleunigen und Vergangenes revuè passieren lassen. Jahrelang hab ich die guten Vorsätze für Blödsinn gehalten. Ich hab mir halbherzig selbst welche gefasst, denn das macht man eben so. Dinge wie abnehmen, weniger Alkohol trinken, mehr Sport machen, mit dem Rauchen aufhören. Teils der Gesundheit zu liebe, teils um Normen zu entsprechen, die uns von der Gesellschaft aufgedrückt werden. Gleichzeitig war mir nie so wirklich klar, wieso erst ein neues Jahr beginnen muss, kann man doch all diese Dinge jederzeit umsetzen, wenn sie einem wichtig erscheinen. Gute Vorsätze – quasi eine Tradition der Silvesternacht, gefasst aus einer Alkohollaune heraus und wohlwissend, dass sie spätestens nach ein paar Wochen wieder über Bord geworfen werden.

Heute denke ich anders darüber. Anders über den Sinn der Vorsätze und über die Art, derer sie sein sollten. Erst vergangenes Silvester, also vor wenigen Tagen, ist mir wieder bewusst geworden, warum wir uns genau zu dieser Zeit so gerne Vorsätze fassen. Ich habe selbst gespürt, wie wohltuend diese Zeit ist, diese Tage nach Weihnachten und vor Silvester. Diese Zeit, in der nichts muss, alles kann und wir endlich zur Ruhe kommen. Ich habe die Ruhe genossen, die Tage ohne Druck, ohne Hektik und Stress. Ich habe viel nachgedacht und reflektiert – bewusst und unbewusst. Komme ich zur Ruhe, dann geht das mit dem Nachdenken oft ganz automatisch, geht es euch da ähnlich?

Die Gedanken, die ich hatte, waren nicht immer angenehm, denn ist man ehrlich zu sich selbst, muss man sich eingestehen, dass im vergangenen Jahr nicht immer alles gut gelaufen ist. Nun könnte man natürlich nach Gründen suchen, nach Schuldigen. Aber ist es nicht so, dass wir alle unser Leben selbst in der Hand haben und unsere Zukunft Tag für Tag beeinflussen können? Ist es nicht so, dass all das, was wir erleben, das Resultat vergangener Taten ist? Folgen wir diesen Gedanken weiter, graben tiefer und hinterfragen die Resultate, dann erkennen wir durchaus die eine oder andere Verhaltensweise, die suboptimal ist. Wir erkennen Verbesserungspotential, Optimierungswünsche und Dinge, an denen wir arbeiten können. Dinge, die wir in gute Vorsätze wandeln können.

Gute Vorsätze mit Sinn, ganz weit weg von den üblichen Dingen, die wir sagen, weil wir uns berauscht durch Partystimmung, gute Laune und zu viel Sekt toll und stark und unbesiegbar fühlen. Gute Vorsätze, die nicht nur uns, sondern auch andere beeinflussen. Was denkt ihr, was würde passieren, wenn wir uns vornehmen, uns mehr auf positive Gedanken zu besinnen, anstatt nur das Negative zu sehen? Was würde geschehen, wenn wir jeden Tag mit einem Lächeln beginnen und dieses Lächeln durch den Tag tragen? Wenn wir es der Kassiererin schenken, die auch abends noch freundlich im Supermarkt sitzt oder dem Autofahrer, der genervt am Zebrastreifen hält, obwohl er doch keine Zeit hat? Probiert es aus, das Ergebnis wird euch gefallen, da bin ich mir sicher.

Mein Vorsatz für das neue Jahr ist eigentlich ganz simpel und doch verliert man ihn so leicht aus den Augen: Ich möchte für die Dinge einstehen, die mir wichtig sind. Ich möchte mehr Wert darauf legen und mir Zeit dafür nehmen, daran arbeiten und dafür kämpfen. Ganz egal, ob sie anderen sinnvoll erscheinen, ganz egal, ob sie anderen logisch oder erreichbar erscheinen. Wir jagen Tag für Tag Zielen hinterher, die nicht unsere eigenen sind. Im Job, weil wir es müssen. Im Alltag, weil wir uns einreden lassen, dass es so richtig ist. Mehr Geld, ein schnelles Auto, der große Fernseher und die tolle Figur. Weil wir es wollen? Oder weil es die Gesellschaft will? Tun wir das, weil wir uns über diese Dinge freuen oder weil wir uns darüber freuen, dass andere uns dann darum beneiden, uns Anerkennung schenken?

Ein neues Jahr beginnt und vielleicht ist es genau dieses Jahr, in dem wir uns von alldem befreien können. Das Jahr, in dem wir etwas mehr für uns tun und etwas weniger für die Erwartung der anderen. Ist das nicht ein Vorsatz, den es sich zu verwirklichen lohnt?

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